Abolitionistische Bewegungen: Freiheit und Sklaverei im europäischen Denken, 1770–1820
Ein internationales Forschungsprojekt und Netzwerkangesiedelt beim Moritz-Stern-Institut, Georg-August-Universität Göttingen
Projektleitung und Netzwerkkoordination:
Brian Kjær Olesen
Jonas Gerlings
Beschreibung
Rückblickend auf die Entwicklung der Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei verglich der britische Abolitionist Thomas Clarkson sie mit einem "Fluss" von Ideen, bei dem "unterschiedliche Quellen zu seinem Anwachsen beitrugen" und der schließlich in "einer reißenden Strömung" gipfelte, die "den Sklavenhandel hinwegfegte". Clarkson fand, dass man zum Verständnis des Aufstiegs des Abolitionismus diesen Ideenfluss studieren müsse, nicht nur seine Quelle, sondern auch die "verschiedenen Strömungen", die "in ihn einfließen und ihn anreichern". Die Karte, die Clarkson zeichnete, hatte zwei Hauptzweige, einen europäischen und einen amerikanischen; der europäische war jedoch trotz der Erwähnung einiger weniger kontinentaler Denker wie Rousseau, Montesquieu und Raynal, hauptsächlich englischsprachig. Clarksons Liste von abolitionistischen Denkern bestimmt heute noch die vorherrschende Ansicht zur Entwicklung des abolitionistischen Denkens. Eine wachsende Anzahl von Studien hat jedoch auf die Begrenztheit dieses englischsprachigen Blickwinkels hingewiesen. Studien zu Dänemark, Schweden, Spanien, Portugal, Italien, den Niederlanden, der Schweiz, Deutschland, Polen, dem Baltikum und Russland haben die Umrisse eines reichhaltigen und diversen abolitionistischen Projekts in Europa nachgezeichnet. Da diese Studien sich vor allem auf nationale abolitionistische Projekte konzentrieren, bleibt das Verständnis eines gemeinsamen europäischen Erbes jedoch noch fragmentiert.
Das Ziel dieses Netzwerks ist es, Clarksons Karte von einem europäischen Blickwinkel aus nachzuzeichnen, zu erweitern und neu einzuordnen, um die vielen verschiedenen „Quellen“ und „Strömungen“ zu erforschen und miteinander zu verbinden, die zu der „reißenden Strömung, die den Sklavenhandel hinwegfegte“ beitrugen. Durch die Konzentration auf das kontinentale Europa wollen wir die gemeinsame Grundlage der Abschaffung der Sklaverei und der Abschaffung der Leibeigenschaft untersuchen. Das Netzwerk bringt eine Gruppe von international ausgewiesenen Experten zusammen, um die erste umfassende Studie des Abolitionismus als europäischen politischen Diskurs zu erstellen. Dabei wird das Netzwerk analysieren, wie abolitionistische Schlüsseltexte und Debatten transnational durch Übermittlung, Übersetzung und eine gemeinsame Ideologie miteinander verbunden wurden, und wie sie nationale Projekte und die Politik zur Leibeigenschaft beeinflussten.
Netzwerkteilnehmer
Brian Kjær Olesen
Jonas Gerlings
John R. D. Coffey
Gabriel Darriulat
Jose M. Portillo
Andrew Kahn
Pärtel Piirimäe
Kadi Kähär-Peterson
Vincent Roy-Di Piazza
Bert Drejer
Giulia Bonazza
Iwan-Michelangelo D’Aprile
Netzwerk Aktivitäten
27.–28. Mai 2026: Abolitionist Movements: Freedom and Slavery in European Political Thought, 1770–1820, Workshop 1: Overseas and Atlantic Perspectives, Georg-August-Universität Göttingen
5.–6. Oktober 2026: Abolitionist Movements: Freedom and Slavery in European Political Thought, 1770–1820, Workshop 2: Continental and Baltic Perspectives, Florenz, Fiesole, Italien.
The Federal Union: Futures and Pasts of a Shared European Heritage 1515-2025
Europe is in crisis. Perhaps the European Union has even entered, as many analysts like to put it, an era of ‘polycrisis’. One of our most fundamental European debates concerns the future direction of the Union, especially in terms of its democracy, its civic cultures and its geopolitics. What should the make-up of the Union be in terms of democratic institutions? What should be its foundation in terms of citizenship and civic cultures? How should citizens and policy makers address the division and workings of sovereign powers in the Union? How should the Union act in the world of geopolitics? In short, what kind Federal Union should Europe be?- The first aim of our project is to contribute to the historical study of the Federal Union as a shared European heritage.
- The second aim of the project is to connect historical study with reflections on Europe’s present and future as Federal Union.
The first step has been to set up a small group and steering committee and to organise an exploratory workshop that took place on Monday 16 September and Tuesday 17 September 2024. The group set out the research agenda, presented first drafts of chapters and discussed opportunities for research funding. For the workshop programme click here.
For more information about the project click here.